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Lasst die Motor-Heckenscheren kreisen!

Ein Kommentar der Naturgärtner über den Wahn des Kürzens von Sträuchern auf Augenhöhe

Noch vor ein paar Jahren hat niemand Sträucher mit Benzinmotor betriebenen Heckenscheren beschnitten. Das ist eine Entwicklung unserer Zeit, die Fachgärtner gruseln lässt. Mit Erfindung der Motorheckenscheren werden Sträucher gern von oben abgeschnitten. Gartenarbeiter aus Betrieben der sogenannten Hausmeister- und Pflegebetriebe kämpfen gegen die ausgetriebenen Äste des Vorjahres. Viele Sträucher sehen aus wie soeben dem Kasernenhof entronnen, uniform ‚geköpft‘. Wir Naturgärtner bedauern, dass es in den Siedlungen Ostwestfalens in einigen Straßenzügen kaum noch Gehölze gibt, die gefühlte zwei Meter überragen. Das muss wohl etwas mit bequemer Arbeitshöhe zu tun haben. Dazu wurden sämtliche Bäume einfach gekappt. Wenn wir Landschaftsgärtner nach den Gründen fragen, bekommen wir Antworten wie: „zu viel Arbeit“, „das Laub macht nur Dreck“, „der Nachbar hat sich beschwert“, „Angst vor dem nächsten Sturm“. Bislang haben wir allerdings nirgends lesen können, dass Laub nicht auf dem Boden ankommen darf. Im Gegenteil: Laub gehört zum Naturkreislauf und sollte in den Beeten liegen bleiben. Die Pflanzen holen sich ihre Nährstoffe im kommenden Jahr und wachsen viel gesünder. Wichtige Kleinlebewesen haben die Möglichkeit zu überwintern; der Boden wird durch Laub gemulcht, die Folge ist ein angeregtes Bodenleben. Auch der Wasserhaushalt wird durch die schützende Laubdecke reguliert, die Pflanzen werden vor Frost geschützt. Jedes Gehölz hat zudem, wie der Mensch auch, seine typische Wuchsform, den Habitus. Jede Pflanze für sich ist eine Schönheit der Natur. Viele Gartenbesitzer wollen es „pflegeleicht“. Pflegeleicht kann aber nicht bedeuten, dass ein Garten überhaupt keine Arbeit macht. Einen solchen Garten gibt es nicht, es sei denn, man mag ihn grün asphaltiert mit Plastikblumen. Pflanzt man jedoch die Sträucher mit vernünftigen Abständen und schneidet man sie fachgerecht, ist der Aufwand nach mehreren Wuchsjahren im ersten Schnittdurchgang zwar ein wenig größer, wird aber im Laufe der folgenden Jahre erheblich geringer. Einheitlich gekürztes Gehölz sieht auch einheitlich, uniform aus. In der Folge werden Blühsträucher im Laufe der Jahre immer weniger blühen. Darüber hinaus altern die Sträucher vorzeitig von innen und vergreisen. Krankheiten vermehren sich rasant! Wir Menschen wundern uns über eine turbulente Entwicklung von Krankheiten in der Natur in den vergangenen Jahren und nennen Gründe wie zu warme Winter, globale Witterungseinflüsse, Monokulturen usw. Doch manches ist auch hausgemacht: Nach dem Schnitt mit der Heckenschere treiben die Gehölze immer wieder im oberen Bereich an den gleichen Stellen aus. Jedes Jahr muss nachgekürzt werden, ein unnötiger Aufwand. Richtig wäre, alte und kranke Triebe von unten zu entfernen. Wenn wir diese aus dem Strauch ziehen, wird er auch automatisch gelüftet. Stehen gebliebene Äste können dann noch optisch angepasst werden. Das folgende Jahr wird zeigen, dass die Gehölze genau an den Schnittpunkten wieder austreiben. Auf diese Weise lässt sich das Längenwachstum erheblich reduzieren, das Gehölz wird so am dichtesten, es bleibt gesund, seine Blühwilligkeit wird erheblich gefördert und nicht zuletzt bleibt der Pflanze hinreichend Platz zu ihrem Nachbarn. Ausnahmen sind natürlich die bewusst gepflanzten Formgehölze im Garten wie z.B. Heckenelemente oder Buchsbäume. Für uns ist erschreckend zu beobachten, wie sich einige Gärten in den letzten Jahren entwickeln. Je weiter sich der Mensch von der Natur entfernt, desto lebloser werden auch unsere Gärten. Wenn wir verstehen würden, dass wir eins mit der Natur und die Natur eins mit uns ist, würden wir vielleicht vielfach anders handeln.

Auf unserer Homepage lesen Sie einen Ausschnitt über Schnitttechniken im Garten. Der Artikel heißt „Das richtige Schneiden von Bäumen und Sträuchern“. Des Weiteren laden wir Sie herzlich zu unserem Schnittkurs am Samstag, dem 28.Februar ein.


Für Ideen und Fragen stehen die Landschaftsgärtner des Gartenbauteams gerne zur Verfügung.
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